Mittland I - Im Bann des Namenlosen
„Dem Kriege“, ließ König Johann der Hohe durch seine Herolde verlauten. „Dem Kriege dieser jämmerlichen Ausgeburten der Hölle werden wir niemals beiwohnen! Niemals! Ich riskiere kein Massensterben durch die verderbten Klingen des Feindes.“ Die Nachricht zog schallend durch das Land und obgleich Söldner und andere Anhänger der Kampfeskunst auf den südlich liegenden Schlachtfeldern zahllose Möglichkeiten sahen, Gold zu finden und Ruhm zu ernten, hielt man sich an das Wort des heiligen Monarchen. Jeder hatte Angst. Es gab nur wenige, sehr wenige, die es wagten, sich auf eine fremde Seite zu stellen. Das eigene Land war am Kampf nicht beteiligt, daher fiel die Wahl schwerer denn je.
In Ashkar, dem Land der schwarzen Sonne, wo die Sommerluft so heiß sein soll, dass die Lunge beim Atmen verbrennt und wo die Nächte dunkler sind, als die tiefsten Verließe der Menschheit, erhoben sich vor drei Jahren zwei Kriegsmächte ohne Herz und ohne Seele . Tief aus den Wäldern Ashkars brachen an einem Herbsttag im Jahr 1388 Heerscharen hervor, die für den Krieg geboren waren und für diese Sache zu gern starben. Die Uzod, barbarische Verbände von Orkstämmen, angetrieben vom Rausch des Tötens, rückten unaufhaltsam aus.
Auf der anderen Seite Ashkars, einer Einöde aus Fels und Stein, durchbohrt von unzähligen Höhlen und tief hinabreichenden Labyrinthen, wartete eine andere Macht auf ihren Feind, eine Macht, die eben erst erwacht war.
Prolog
Varng, Wind des Todes war und ist ihr Führer, ein General, dessen Leben schon vor einem Jahrtausend geendet haben soll, doch er tötet immer noch. Und wie er, ist seine Armee eine grausige Sammlung verdammter Krieger, wiedererstanden aus ihren Gräbern, unablässig kämpfend.
Schriftgelehrte und Historiker berichten seit einiger Zeit, dass die Truppen der beiden Feinde, die Uzodhorden als auch die Geißel Varngs, die Grenzen zu Johanns Land überschritten haben. Die Gefechte sollen sich in dem großen Feenforst, dem Grenzwald des Königreichs Mittland mehr und mehr ausgebreitet und die Grenzdörfer Mittlands bis auf die Grundmauern schliffen haben. Doch noch kein Trupp König Johanns hat bis heute den Feenforst passiert, um zu hel-fen. Kein Ritter der Garde ist je bis an die Grenze vorgedrungen, an der Dorf um Dorf von den marodierenden Schlächtern Ashkars, ob Ork oder Geißel, genommen und niedergebrannt wird. Die Menschen sind sich selbst überlassen worden, denn das Wort des Königs steht: „Dem Kriege dieser jämmerlichen Ausgeburten der Hölle werden wir niemals beiwohnen! Niemals!“ Was tut der Mensch, wenn er in einen Streit gerät, wenn er inmitten zweier wütender Hunde mit seinem Fuß auf dem begehrten Knochen steht und nicht fort kann? Was tut der Mensch, wenn er selbst der Knochen ist, nach dem die Bestien verlangen?
